Der amerikanische Sezessionskrieg 1861 - 1865

1. Vorwort

Ab Dezember 1860 traten nacheinander 11 Staaten aus der Union aus. Weitere Staaten konnte der Norden nur mit Gewalt am Austritt hindern. Am 08.02.1861 wurden in Montgomery (Alabama) die "Konföderierten Staaten von Amerika" ins Leben gerufen. Zum Präsidenten wurde Jefferson Davis gewählt. Die spätere Hauptstadt wurde Richmond in Virginia.
Die erste Amtshandlung der neuen Regierung, bestand in einem Friedensangebot an den Norden, die Staaten ziehen zu lassen.
Obwohl der Prozess der Loslösung von der Union als ein demokratischer Prozess beurteilt werden muss, der gerade auch von breiten Bevölkerungsschichten des Südens mit getragen wurde, betrachteten die herrschenden Kreise des Nordens den Austritt als Verfassungsbruch und Rebellion.
Tatsächlich war in der Präambel der Verfassung von 1778 zwar der Beitritt von Staaten geregelt, nicht aber ein möglicher Austritt. Jede Seite legte nun den fehlenden Passus in ihrem Sinne aus, so dass letztlich die Entscheidung durch Waffengewalt herbeigeführt werden musste.
Lincoln, der Präsident der Nordstaaten, vermied es bis zum Schluss, die Südstaaten formell anzuerkennen, obwohl viele pragmatische Entscheidungen im Verlaufe des Krieges (z.B. Gefangenenaustausch) eine solche Anerkennung de facto enthalten mussten. Auf diese Weise vermied er den Status des Aggressors für die einfallenden Nordstaatenarmeen, währenddessen die Südstaaten als Rebellenstaaten (Rebels) bezeichnet werden konnten.
Die Bevölkerung des Südens hat ungeachtet juristischer Spitzfindigkeiten, die einfallenden Nordstaatler als Aggressoren empfunden, gegen die man die Heimat verteidigen muss. Noch heute sind die Historiker in der Wertung dieses Sachverhaltes gespalten: Während eine Seite vom Bürgerkrieg spricht, verwendet die andere Seite den Begriff Sezessionskrieg ( the war between the states), eine Wortwahl, die implizit die Anerkennung der Südstaaten voraussetzt und damit den Vorwurf der Aggression aufrecht erhält.
Der Krieg gegen den Süden wurde vom Norden als Vernichtungskrieg mit brutaler Härte so geführt, dass insbesondere gerade die südliche Zivilbevölkerung darunter schwer zu leiden hatte. Unter anderem haben diese Form der Kriegsführung und die Ausplünderung des gesamten Süden nach seiner Niederlage zu dauerhaften Verletzungen geführt. Wie herzlich wenig Freiheit und Menschenrechte die nordstaatlichen Sieger interessierten, kann man daran erkennen, dass sich nach dem Krieg gerade die gefeiertsten Generale der Nordstaaten einen unrühmlichen Namen als Indianermörder im Westen der USA machten. Der Name Custer steht hier symbolisch für eine Vielzahl anderer.
Auch nach 140 Jahren schwelt der Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden der USA in vielerlei Formen weiter.

2. Einführung

Der amerikanische Sezessionskrieg war ein Schlüsselereignis der amerikanischen Geschichte. In einen Strom von Blut und Tränen einte er eine zerfallende Nation. In diesem Krieg starben mehr Amerikaner als in jedem anderen bewaffneten Konflikt, an dem amerikanische Soldaten teilnahmen, einschließlich des 2. Weltkrieges. Militärisch gilt der Konflikt als "der erste moderne Krieg der Weltgeschichte". Nie zuvor waren größere Heere auf die Schlachtfelder gezogen. Er beendete das Zeitalter der "begrenzten Kriege". Die militärtechnischen Neuerungen sprengten alle Dimensionen.
Es scheint, in den Ereignissen um die Jahre 1861 - 1865, sind alle wesentlichen kulturellen und ökonomischen Probleme, auch unser heutigen Zeit, wie in einer konzentrierten Säure enthalten. Es ist durchaus zu erwarten, dass die Geschichte des Sezessionskrieges und seiner Bewertung von jeder Generation neu geschrieben wird.

3. Wurzeln des Krieges

An der Mündung des James River (Virginia) wird 1607 eine Kolonie gegründet und "Jamestown" getauft. 1612 entstehen erste Tabakplantagen. An Mangel von Arbeitskräften werden afrikanische Sklaven ins Land geholt. 1619 lief in Jamestown das erste Sklavenschiff ein. Damit war das Muster der Kolonisierung des Territoriums südlich der Delaware-Bucht endgültig vorgegeben. Im Laufe des 17. Jahrhunderts gründen Adlige North Carolina und South Carolina, die ebenfalls von Plantagen- und Sklavenwirtschaft lebten.
Im Norden sah es anders aus. Hier standen die geographischen Verhältnisse einer Plantagenwirtschaft entgegen, denn auf dem Territorium von Pennsylvania erstreckte sich die Bergkette der Appalachen bis zum Ozean. Hier war das Land nur für kleinere Bauernhöfe geeignet. Das Klima war zu rauh für Tabak und Baumwolle, deren Anbau im Süden das Rückrat der Wirtschaft bildete. Dieses unwirtliche Territorium im Norden schien der englischen Regierung bestens dafür geeignet unliebsame Kleinbürger, welche gegen die Regierung rebellierten, anzusiedeln. Es wurden großzügig Ansiedlungslizenzen vergeben. Bald kamen auch die ersten Deutschen (Herrnhuter und Anabaptisten). Die ökonomische Basis der nördlichen Kolonien Massachusetts, Connecticut, Rhode Island, New York, New Jersey und Pennsylvania lag im Handwerk. Im Jahre 1767 kam es zu Streitigkeiten über den Verlauf der Südgrenze der Kolonie Pennsylvania. Die Geodäten Mason und Dixon legten die Grenze 40 Meilen südlich des 40. Breitengrades fest. In den nächsten 70 Jahren wurde die "Mason-Dixon-Linie" zur Grenze zwischen den Sklavenhalterstaaten und dem freien Norden, denn nach der bürgerlichen Revolution verbot nördlich der Mason-Dixon-Linie ein Bundesstaat nach dem anderen die Sklaverei. Nur Delaware bildete die Ausnahme. Im Süden war die Sklaverei der Angelpunkt der Wirtschaft, während der Norden zunehmend industrialisiert wurde.
Die Wurzeln des Bürgerkrieges in den USA sind in den sehr unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen der nördlichen und südlichen Kolonien und späteren Bundesstaaten zu suchen.

4. Der wirtschaftliche und soziale Hintergrund des Krieges

Durch die Expansion nach Westen wurden immer mehr Sklaven gebraucht, weshalb nach dem Einfuhrverbot von Sklaven aus Afrika, sich ein Teil der Plantagenbesitzer im Osten auf Sklavenzucht umstellten. Die Südstaatengesellschaft führte ein luxuriöses, dekadentes - und militärisches Leben. Mit der Expansion der Sklavenhalterstaaten nach Westen, der zunehmenden Auseinandersetzungen in den beiden Häusern des Kongresses über diese Expansion sowie über die vom Norden verhängten Schutzzölle auf Einfuhren aus England, die für den importabhängigen Süden lebenswichtig waren, wuchs in den Südstaaten das Gefühl, gefährdet zu sein. Schon 1827 drohten Senatoren der Südstaaten die Abtrennung von der Union an. Nach 1827 wurden in verschiedenen Südstaaten Militärhochschulen gegründet, wo die Söhne reicher Plantagenbesitzer ausgebildet werden. Die gut ausgebildeten Soldaten des Südens konnten ihre Qualität im mexikanischen Krieg von 1846-1848 zeigen.

5. Die ökonomische Disproportionen am Vorabend des Bürgerkrieges

Durch die geographischen und geologischen Unterschiede zwischen dem Norden und Süden wurden die systembedingten Disproportionen zwischen den Landesteilen noch weiter akzentuiert. Am Vorabend des Krieges hatten die 17 Nord- und 2 Grenzstaaten, die aktiv am Bürgerkrieg beteiligt waren und einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung der Unionsstreitkräfte leisteten enorme Vorteile an Bevölkerungszahl, Territorium, Industrie, Bodenschätzen und technischer Infrastruktur. In diesen Bundesstaaten lebten 19 Millionen Menschen. Dagegen zählte die Bevölkerung der 11 Südstaaten insgesamt 9 Millionen, von denen 3,5 Millionen Sklaven waren.
Der Norden verfügte über 81% der Industriebetriebe, 90% der Rohstoffe, 70% der Eisenbahnstrecken und 80% der Banken. Die mangelhafte Industrialisierung machte den Süden sehr importabhängig. Den größten Teil seiner Rohstoffe und Waren bezog er aus dem Norden. Luxusgüter und viele Industrieausrüstungen kamen aus England und Frankreich. England gehörte zu den größten Abnehmern der Baumwolle und des Tabaks aus dem Süden. Ein wichtiges Ereignis in der Wirtschaftsentwicklung des Nordens und des Südens sowie in der Beziehung zu England trat 1814 ein, als eine Textilfabrik zum erstenmal mit maschinengetriebenen mechanischen Webstühlen produzierte. Nun wurde die Textilindustrie im Norden konkurrenzfähig und gleichzeitig zunehmend von der Baumwolle aus den Südstaaten abhängig. Um den Absatz der eigenen Produktion zu sichern, verlangten die Fabrikherren des Nordens nach Schutzzöllen auf englische Importe.
Die Plantagenbesitzer, Handelsagenten und Reeder des Südens führten im Kongress einen erbitterten Kampf gegen die Schutzzollgesetze, den ihre Konkurrenten in den Norden einzuführen beabsichtigten. Im Süden machte sich das Gefühl breit, vom Norden unterdrückt zu werden.

6. Die Rolle der Wirtschaft und der Banken

Otto von Bismarck, ein erfahrener Politiker, der über die Machenschaften der Hochfinanz gut Bescheid wußte, bemerkte zum Amerikanischen Bürgerkrieg folgendes:
»Es kann nicht bezweifelt werden und ist mir mit absoluter Sicherheit bekannt, daß die Aufteilung der Vereinigten Staaten in zwei gleich starke Föderationen schon lange vor dem Bürgerkrieg von den stärksten Finanzmächten Europas beschlossen worden war. Diese Bankiers fürchteten, daß die Vereinigten Staaten, sollten sie vereinigt bleiben und sich zu einer einzigen Nation entwickeln, wirtschaftliche und finanzielle Unabhängigkeit erringen könnten, und diese hätte die weltweite finanzielle Vorherrschaft Europas bis ins Mark erschüttert. Natürlich kam der Stimme der Rothschilds im inneren Kreise der Finanz beherrschendes Gewicht zu. Sie sahen eine Chance auf reichliche Beute voraus, falls es ihnen gelingen sollte, die starke, selbstbewußte, stolze und selbstversorgende Republik durch zwei schwache Demokratien zu ersetzen, die unter der Last ihrer Schulden ächzten und jüdische Finanzmagnaten um Unterstützung anflehen würden. Folglich sandten sie ihre Agenten aus, um das Thema der Sklaverei auszuschlachten und eine Kluft zwischen den beiden Teilen der Union zu schaffen. Der Bruch zwischen dem Norden und dem Süden wurde unvermeidlich; die Herren der europäischen Finanz setzten alle ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte ein, um ihn zu bewerkstelligen und zu ihren eigenen Gunsten auszunutzen.« 
"So wichtig die Banken für die wirtschaftliche Entwicklung waren, eine noch größere Rolle spielten sie in der Politik", oder: "Kapital ist selten gerecht" - Solche und ähnliche Andeutungen finden sich ab und an verschämt in der Literatur, aber mehr zwischen den Zeilen.
Über achtzig Prozent des Kapitals waren im Norden konzentriert, vorzugsweise in den sogenannten Neuenglandstaaten der Ostküste. Hier war das Nest des agilen und nimmersatten Yankeetums, für das der Kapitalertrag immer mehr Maßstab aller Dinge wurde und worauf sich wachsend der Zorn der Südstaatler richtete. In Boston, der damaligen Wallstreet, wurden die ökonomischen und politischen Fäden der Kapitaleffizienz gezogen, denen sich auch eine Regierung nicht entziehen konnte.
Im Norden, vor der Haustür, wurde die verarbeitende lndustrie ausgebaut. Der Süden sah sich immer mehr in der Rolle des Absatzmarktes und Rohstofflieferanten festgeschrieben. Man zwang den Süden, gegenüber den europäischen Produkten minderwertigere und teurere Produkte im Norden zu kaufen. Dem gegenüber wurden auf die Produkte des Südens im Norden hohe Schutzzölle aufgeschlagen. Die Zolleinnahmen der langen Küste des Südens flossen nach Norden. In breiten Schichten der Bevölkerung des Südens herrschte ein starkes Gefühl der Abhängigkeit und Ausbeutung durch die Yankeefabrikanten, Spediteure und Schiffahrtsgesellschaften vor.
Seit Beginn des Jahrhunderts mehrten sich deshalb die Stimmen im Süden, die sich fragten, was sie denn noch in dieser Union sollten? Tatsächlich war die Banken- und Handelspolitik des Nordens gegenüber den südlichen Staaten in vielen Zügen die Politik einer Zentrale gegenüber ihren Hinterhof, einer Rolle, die später andere lateinamerikanische Staaten übernehmen sollten. In diesem Sinne war die Sezession (Abtrennung) bereits vom Kapital des Nordens vorvollzogen, bevor der Süden sie tatsächlich nachzuvollziehen versuchte.
Das Gefälle der Kapitaleffizienz lenkte anscheinend schon früh das Hauptaugenmerk des Nordens auf die Weiten des Wilden Westens. Hier, vorzugsweise um die künftigen Strecken der Eisenbahn, freies Land und Gold verdichteten sich die Spekulationen der Anleger. Demgegenüber war der Süden mehr an einer Nord-Südverbindung interessiert. Eine solche Nord-Südverbindung hätte aber das Monopol nördlicher Speditionen und Schifffahrtsgesellschaften gefährdet. Die Erschließung des Westens blieb vorherrschendes Ziel im Norden. Das dazu fehlende Kapital wurde nach deren Niederlage, aus den ehemals konföderierten Staaten des Südens herausgesaugt. Angeheizt wurden die wirtschaftlichen Gegensätze zwischen Nord und Süd noch durch den Krimkrieg, der die freien Kapitalbestände der Bank of England restlos aufgezehrt hatte. Um freies Kapital anzuziehen, erhöhten die Briten drastisch den Leitzins, was zur Folge hatte, dass viele Aktionäre des Nordens der USA ihr Kapital aus den Unternehmen abzogen, um es gewinnbringender an die englischen Banken anzulegen. Massenarbeitslosigkeit und Elend in den Proletenghettos des Nordens waren die Folge. Wie zum Hohn verdoppelten sich gerade zu diesem Zeitpunkt die Baumwollpreise auf den Märkten. "King Cotton" bescherte dem Süden Traumgewinne, während der Norden für die überhitzte Industrialisierung an Bergen von Schuldzinsen für hauptsächlich aus England importierte Maschinen buchstäblich in die Knie ging. "Dieses Spekulantengesindel aus dem Norden kriegt jetzt das, was es verdient hat", höhnten die sogenannten "Eisenfresser" aus dem Süden, unverbesserliche Sklavereiverfechter, die nun ihrerseits die Sklaverei als wünschenswerte und vorbildliche Einrichtung verteidigten.
Eine unerhörte Tatsache, die aber in der amerikanischen Geschichte einen interessanten Bezug findet: Thomas Jefferson, der Philosoph der republikanischen Staatsverfassung, hatte das Wesen der Freiheit als Unabhängigkeit definiert. Dies setze einen Anteil am Produktivvermögen voraus. Ein Mensch, dessen Lebensunterhalt von anderen abhing, könne nie wirklich frei sein, und ebenso wenig könne eine abhängige Klasse die Basis einer republikanischen Regierung konstituieren. Die Südstaatler verwiesen hier auf das wachsende Industrieproletariat des Nordens, "weiße Lohnsklaven", deren Hundeleben im Süden kein Schwarzer freiwillig teilen würde. Jefferson hatte keine Probleme über Freiheit zu philosophieren und selbst Sklaven zu halten. In seinen Augen waren die Sklaven eine vorübergehende Erscheinung, die sich im Laufe der Zeit selbst einstellen würde.
Für die meisten Menschen im Süden waren die Vorhaltungen ihrer "Negersklaverei" ohnehin nur ein weiteres Mittel der verhassten geldgierigen Yankees aus dem Norden, dem Süden weiter das Genick zu brechen und weiter auszuplündern. Das Problem der Sklavenbefeiung wurde von der Presse der Nordstaaten auch gerade in dem Augenblick wirksam pathetisch aufgegriffen, als sich die wirtschaftlichen Spannungen zwischen Nord und Süd drastisch verschärften. Die Sklavenfrage war hervorragend geeignet, die Stimmung bei breiten Bevölkerungsschichten im Norden anzuheizen. Der Gegenpart der "Eisenfresser" im Süden war jener Typ des Radikalrepublikaners im Norden, bei dem sich Fortschrittsglaube, Kapitaleffizienz und Menschheitserlösung zu trefflich gewinnbringend miteinander verbanden. Die auf Ausgleich und Mäßigung drängenden Stimmen in Nord und Süd wurden immer mehr an den Rand gedrängt und als Abraham Lincoln, der als Sklavereigegner galt, obwohl er zunächst mehr eine gemäßigte Politik verfolgte, zum Präsidenten gewählt wurde, kam es zum Austritt von South Carolina aus der Union. Anlass hierfür war bezeichnenderweise eine neue Tabaksteuer des Nordens!

7. Die Antisklavereibewegung

Die Sklaverei bedrohte auch direkt die Interessen des sich entwickelnden Industrieproletariats des Nordens, denn sie drückte durch ihre Ausbreitung die ohnehin niedrigen Löhne. Schon 1781 war ein Negersklave namens Quork Walker in Massachusetts vor Gericht erschienen und hatte seine Befreiung eingeklagt. Sein juristisches Argument lautete, dass die Verfassung den Satz enthalte: "Alle Männer sind frei und gleich geboren". Der Richter bestätigte diese Tatsache und sprach Quork Walker frei. Dies war ein Präzedenzfall. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in fast allen Nordstaaten die Sklaverei aufgehoben. 1807 wurde die Einfuhr von Negersklaven verboten.
1820 wurde der "Missouri-Kompromiss" vom Kongress verabschiedet, welcher nördlich vom Breitengrad 36°03' und westlich des Missouri die Sklaverei für immer verbot. Dieser Kompromiss heizte die Auseinandersetzung an. Der Goldrausch in Kalifornien (1848) führte im Jahre 1850 zur Aufnahme des Territoriums als Bundesstaates, wodurch sich der Abschluss eines neuen Kompromisses erforderlich machte. Der alte Kompromiss wurde 1854 durch das Kansas-Nebraska-Gesetz abgelöst. Der Kampf um die beiden Staaten führte zur Bildung der "Republikanischen Partei". Ihren Aufstieg verdankte sie der äußerst gespannten Lage im Lande während der Präsidentschaft vom James Buchanan (1853-1861), einem offenen Anhänger der Sklaverei. Die "Demokratische Partei" wurde mehrmals gespalten und war nicht im Stande die Antisklavereibewegung zu schwächen.
Es gab auch Aufstände, die in der damaligen Atmosphäre tiefer Religiosität und emotionaler Spannungen von religiösen Fundamentalisten ausgelöst wurden. Der erste wurde vom Negersklaven und Prediger Nat Turner im August 1831 geführt. Der folgenschwerste wurde von dem weißen Farmer John Brown geführt. Am 16. Oktober 1859 kam es zu einem Ereignis, das die Nation allgemein erregte und zeigte, wie verhärtet die Fronten zwischen den Landesteilen inzwischen geworden waren. Der Fanatiker Brown überfiel mit 21 Männern das Bundesarsenal in Harpers Ferry und rief die Sklaven zur allgemeinen Rebellion auf. Während im Norden nicht wenige die Tat als Heldenstück feierten, herrschte im Süden tiefe Bestürzung und Empörung. Nach zwei Tagen wurde das Arsenal gestürmt und Brown gefangen genommen. Er wurde später hingerichtet.

8. Die Wahl Lincolns, die "Sezession" und der Vorabend des Bürgerkrieges

Abraham Lincoln erklärte 1858 in einer Debatte mit Douglas:
»Ich will klarstellen, daß ich nicht das Ziel verfolge und es auch nie verfolgt habe, für die soziale und politische Gleichheit zwischen der weißen und der schwarzen Rasse einzutreten, daß ich nicht dafür bin und es auch nie war, aus den Negern Wähler zu machen oder sie als Mitglieder von Schwurgerichten zuzulassen, ihnen den Zugang zu Ämtern zu öffnen oder ihnen die Heirat mit Weißen zu gestatten; ich möchte hinzufügen, daß zwischen der weißen und der schwarzen Rasse ein physischer Unterschied besteht, der meiner Überzeugung nach in alle Zukunft verhindern wird, daß die beiden Rassen in sozialer und politischer Gleichheit zusammenleben. Es muß eine Rangordnung geben, einen Höheren und einen Tieferen, und ich bin dafür, daß die weiße Rasse die Stellung des Höheren einnimmt.« 
Es ist auf jeden Fall falsch die Antisklavereibewegung als antirassistisch einzuschätzen. Der weiße Amerikaner war auf Grund seiner Erziehung nicht bereit, den Neger als vollwertigen Mitmenschen zu akzeptieren. Nur wer dieses erkennt wird die Widersprüche im Charakter Abraham Lincolns verstehen. Die Art Heiligenlegende, welche in den USA um Lincoln geschaffen wurde, ist nur zum Teil glaubhaft. Die Legende vom armen, ehrlichen, großen, sanftmütigen Befreier der Sklaven, vom Verfechter der Gerechtigkeit und Märtyrer wird durch manche Fakten gestützt. Seine Gegner machten sich über sein unschönes Aussehen und seine bescheide Herkunft lustig, das gemeine Volk nannte ihn "Hornest Abe" (ehrlicher Abe). Lincoln war Mitglied der Republikanischen Partei und seine Wahlkampfdebatten mit S enator Douglas (er war der Verfasser des Kansas-Nebraska-Gesetzes) machten ihn berühmt. Diese Debatten verschafften ihn in der Nordstaaten Ruhm und im Süden Hass!
Lincolns Haltung gegen die Sklaven änderte sich zwar im Laufe der Zeit, war aber nie völlig frei von Vorurteilen. Obwohl er den Negertruppen Gleichwertigkeit bescheinigte, blieb er bei der Meinung, die Mehrzahl der Weißen würde die Neger nie akzeptieren. Aus diesem Grund suchte er während seiner Präsidentschaft nach Wegen, die Negerbevölkerung nach Afrika zurückzuschicken oder außerhalb des Landes anzusiedeln. Die Südstaaten, denen selbst Lincolns Überlegungen zu radikal erschienen und die Opposition zur Sklaverei scharf verurteilten, drohten wiederholt damit, im Fall seiner Wahl aus der Union auszuscheiden. Am 6. November 1860 gewann Lincoln die Präsidentschaftswahlen, und am 20. Dezember 1860 erklärte South Carolina als erster Staat die "Sezession", die Trennung von den Vereinigten Staaten. Ihm folgten in den nächsten 5 Monaten Alabama, Arkansas, Florida, Georgia, Louisiana, Mississippi, North Carolina, Tennessee, Texas und Virginia.

Bundesstaat beigetreten ausgetreten
South Carolina*   20.12.1860
Mississippi 10.12.1817 09.01.1861
Alabama 14.12.1819 11.01.1861
Florida 03.03.1845 11.01.1861
Georgia*   19.01.1861
Louisiana 08.04.1812 26.01.1861
Texas 29.12.1845 01.02.1861
Virginia*   17.04.1891
Arkansas 15.06.1836 06.05.1861
Tennesee 01.06.1796 06.05.1861
North Carolina*   13.05.1861
* urspüngliche Gründerstaaten der Union

Schon am im Februar 1861 konstituierten sich 6 dieser Staaten zu einem Staatenbund unter der Bezeichnung "Konföderierte Staaten von Amerika" mit Montgomery (Alabama) als Hauptstadt. Im selben Monat traten die ehemaligen Senatoren und Abgeordneten dieser Staaten zum Kongress der CSA zusammen. Zum Präsidenten wurde der ehemalige USA-Kriegsminister Jefferson Davis gewählt. Die Nordstaaten betrachteten das neue Staatsgebilde als nicht legitim, sie waren jedoch 4 Jahre lang politische Realität. Sie funktionierten als unabhängiger Staat mit eigenen Streitkräften, eigener Regierung und eigenem Finanzwesen.
Trotz großer Anstrengung erreichten die CSA niemals die Anerkennung der europäischen Regierungen, obwohl viele durchaus geneigt waren.
Dies zusammen mit der allgemeinen internationalen Lage und der Drohung der Union, jegliche Hilfe für die Südstaaten mit wirksamen Maßnahmen zu begegnen, isolierte die CSA-Regierung. Als Lincoln Anfang April 1861 nach Washington umsiedelte, war die Lage keineswegs klar. Die CSA wurde proklamiert als Lincoln noch nicht in sein Amt eingeführt wurde. Die alte Administration regierte noch bis Anfang März des Jahres nach der Präsidentenwahl. So konnte Lincoln praktisch keinen Einfluss auf die Bedingungen für die Führung des Bürgerkriegesnehmen. Die alte Regierung war gelähmt und schaute der Spaltung der einstigen Vereinigten Staaten tatenlos zu.

9. Die ersten Schüsse

Bereits am 26. Oktober 1860 schrieb Generalleutnant Scott an Präsident Buchanan, die Bevölkerung des Südens sei für einen Austritt aus der Union und könnte als Vorspiel sich mit Hilfe der Milizen der wichtigen Küsten- und Hafenbefestigungen in den Südstaaten bemächtigen. Der Hafen von Charleston (South Carolina) war einer der wichtigsten an der Ostküste und mit entsprechenden Verteidigungsanlagen versehen. In der Mitte der Bucht erhob sich auf einem kleinen Felsen das noch unvollendete Fort Sumter. Am 20. Dezember 1860 trat South Carolina aus der Union aus und erklärte alle Militäranlagen zum Eigentum des Staates von South Carolina. Das Arsenal von Charleston wurde von Miliz besetzt. Da South Carolina vorerst allein dastand, wagte man keinen direkten Angriff auf die Unionstruppen, welche sich im Fort Moultrie befanden.
Der Kommandant der Unionstruppen, Major Anderson, zog sich in einer Nacht- und Nebelaktion am 26. Dezember 1860 mit seinen Truppen in Fort Sumter zurück.
Im Laufe des Januars schieden Mississippi, Florida, Alabama, Georgia und Louisiana aus der Union aus. Der Präsident der Konföderierten Staaten Jefferson Davis hielt den Krieg für unvermeidbar. Davis ernannte Brigadegeneral Pierre Beauregard zum Befehlshaber aller in Charleston befindlichen Festungsanlagen. Beauregard erhielt Befehl Lincolns Vereidigung am 4. März abzuwarten, in der Hoffnung, dass die Unionstruppen Fort Sumter freiwillig räumten.
Lincoln wies am 4. März 1861 die Konföderation darauf hin, dass der erste Schuss von ihrer Seite fallen müsste, um den Bürgerkrieg auszulösen.
Lincoln entsandte eine Flotte, um den Unionstruppen in Fort Sumter zu helfen. Vom 11. zum 12. April 1861 erreichte die Flotte die Mündung der Bucht von Charleston. Nun gab General Beauregard die Hoffnung auf eine friedliche Übergabe auf und ließ Major Anderson die Aufforderung zur Kapitulation überbringen. Anderson lehnte ab, wies aber darauf hin, dass die Nahrungsmittel zu Ende gingen und das man sich noch etwa 5 Tage lang halten könnte. Die Konföderierten misstrauten dem Angebot.
Am 12. April 1861, 3.20 Uhr schickte Beauregard eine Botschaft an Anderson, dass er um 4.00 Uhr das Feuer eröffnen werde. Um 4.30 Uhr feuerte die Mörserbatterie der Konföderierten im Fort Johnson den ersten Schuss im Bürgerkrieg ab.
Damit begann der größte Krieg auf amerikanischen Boden, welcher bis zum 9. April 1865 dauerte und mit der Niederlage der Konföderierten Staaten von Amerika endete.
Zu den ersten ernsthaften militärischen Auseinandersetzungen kam es im Frühjahr 1862. Der Norden versuchte, den Süden durch eine Seeblockade von lebenswichtigen Einfuhren abzuschneiden, die Kontrolle über wichtige Wasserwege und Forts im Westen zu gewinnen und Richmond, die Hauptstadt der Konföderation, zu erobern. Trotz der der erdrückenden Übermacht der Union benötigte sie vier Jahre für den Sieg. Die Hauptgründe waren die überlegene Führung der Südarmeen in den ersten beiden Kriegsjahren und die Tatsache, dass der Süden sich auf eine defensive Strategie beschränken konnte. Im Osten schlug General Robert E. Lee zwei Einfälle in Virginia zurück und stieß in den Norden vor. Doch im Juli 1863 wurde er bei Gettysburg entscheidend geschlagen. Inzwischen beherrschte die Union die Flüsse Mississippi und Tennesee. 1864 wurde die Blockade wirksam. General Grant rückte in Virginia vor, während General Sherman seinen Marsch durch Georgia und South Carolina begann; im Frühjahr 1865 schließlich war der Süden geschlagen.
Das wechselnde Kriegsglück ließ die Bedeutung der Eisenbahn deutlich werden: Der Norden konnte auf ein dichteres Schienennetz zurückgreifen, das die Agrargebiete mit den Verbrauchern in den Städten verband, während das weitmaschigere Netz des Südens vor allem dazu bestimmt war, die Produkte der Plantagen in die Häfen zu transportieren. Nahrung war häufig knapp, und Bemühungen der Konföderation, sich Nachschub unterhalb des Marktpreises zu beschaffen, stießen auf erbitterten Widerstand der Zivilbevölkerung. Dagegen konnte die Wirtschaft des Nordens den Bedarf für den totalen Krieg decken, ohne die Zivilbevölkerung zu überfordern. Bald litten beide Seiten an Kriegsmüdigkeit. Wer, wie die meisten Südstaatler, keine Sklaven beschäftigte, war immer weniger bereit, die "Sklavokratie" zu unterstützen, während man im Norden, nachdem die Proklamation zur Sklavenbefreiung im Januar 1863 rechtskräftig geworden war, nicht mehr bereit war, "für die Nigger zu kämpfen".
Die wahren Sieger des Krieges waren die großen Unternehmer und Banken des Nordens. Deren Entfaltung ging mit der wirtschaftlichen Modernisierung einher, auf die sich der Sieg des Nordens in letzter Instanz gründete.

Das Kräfteverhältnis zwischen Union & Konföderation:
  Union Konföderation
Gesamtbevölkerung
2,5
1
Freie Männer 18 - 60 Jahre
4,4
1
Freie Männer 18 - 60 Jahre im Militärdienst
44%
90%
Sozialprodukt
3
1
Eisenbahnkilometer
2,4
1
Handelsmarine (Tonnage)
9
1
Kriegsmarine (Tonnage)
25
1
Industrieproduktion
10
1
Textilgüterproduktion
14
1
Eisenproduktion
15
1
Kohleförderung
38
1
Schusswaffenproduktion
32
1
landwirtschaftlich genutzte Fläche
3
1
Zugtiere
1,8
1
Viehbestand
1,5
1
Weizenproduktion
4,2
1
Maisproduktion
2
1
Baumwollproduktion
1
24

 

10. Nachwort

Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist gerade auch die Geschichte des Ringens zwischen den gestaltenden demokratischen Kräften der breiten Massen des Volkes mit den Finanz- und Wirtschaftseliten des Landes.
Die Finanz- und Wirtschaftseliten versuchten schon sehr früh, den Aktiengewinn als alleinigen Regler aller gesellschaftlichen Prozesse und Maßstab aller Dinge durchzusetzen. Insbesondere als sich das Kapital in den sogenannten Neuenglandstaaten an der Ostküste zu konzentrieren begann, ein Prozess, der durch den Export des britischen Frühkapitalismus durch Massen englischer, puritanischer Einwanderer beschleunigt wurde.
Der wirtschaftliche und machtpolitische Schwerpunkt der Vereinigten Staaten verschob sich damit zunehmend von Süd nach Nord. Zunächst gab es noch starke Gegenkräfte, die einer Anarchie des Kapitals gegensteuern konnten.
Andrew Jackson, der siebente Präsident der Vereinigten Staaten bezeichnete einst die private Bank als "Schlange der Korruption", den Reichen und Mächtigen gegenüber unterwürfig. Sie stand nach Jackson für den Fortschritt weniger, auf Kosten vieler. Und Jackson, der jede private Bank als seinen persönlichen Feind betrachtete, ruhte nicht eher, als bis auch die letzten Einlagen der privaten Banken von Staatlichen Landesbanken übernommen worden waren.
Diese restriktive Finanzpolitik wandelte sich in den Folgejahrzehnten mit der Verschiebung ihres Schwerpunktes nach dem Norden in ihr Gegenteil: In eine Anarchie der Marktkräfte. Die Geschichte als Zweipunktregelung, von einem Extrem ins andere!
Der Krieg zwischen Nord und Süd aIs reiner Wirtschaftskrieg war nach diesen totalen Sieg des Kapitals über alle gesellschaftlichen Gegenkräfte nicht mehr zu verhindern. Hauptkriegsziel des Nordens war die gewaltsame Sicherung der Absatzmärkte im Süden für nördliche Produkte, die auf dem europäischen Markt aufgrund ihrer Qualität und ihres Preises nicht absetzbar waren.
Dass sich an diesen pragmatischen Strukturen und Zwängen viele Hoffnungen, Leidenschaften und auch hohe Ideale der Menschen ankristallisierten, belebt die Vorgänge und schafft durchblutete, lebendige Geschichte.
Es bleibt wohl eine Eigenart aller Zeitgenossen, dass sie ihre Handlungen, denen meist pragmatische Zwänge und Gründe Zugrundelagen, im Nachhinein gern verklärt sehen möchten. In diesem Sinne ist die Rolle der Sieger wesentlich dankbarer als die des Besiegten, der zu seinen eigenen Verfehlungen oft genug noch die Schuld des Siegers "in die Schuhe geschoben" bekommt.
Nur eine offene Aufarbeitung der Geschichte und ihre vorbehaltlose Annahme und Akzeptanz wirkt dahingehend, dass die Urenkel nicht die Verspannungen und Probleme ihrer Vorfahren ausleben müssen. Aber es bleibt in erster Linie gerade auch ein Domizil der Amerikaner, ihre eigene Geschichte immer neu aufzuarbeiten. Und ihr größter Krieg beschäftigt die Amerikaner bis heute ungebrochen. Manche sprechen von der "unendlichen Geschichte". Man darf voraussetzen, dass das Thema auch in Zukunft die Gemüter beunruhigen wird, denn die Wurzeln des Konfliktes sind hochaktuell und die eigentliche, ökonomische Aufarbeitung dieses Konfliktes steht uns sicher erst noch bevor. Man kann es sich nämlich sehr einfach machen und den Sieg der Nordstaaten einfach als den der moderneren Produktionsverhältnisse über die des erstarrten Südens auffassen. Der Fortschritt fordert eben seine 0pfer.
In der Zwischenzeit hat sich die Marktwirtschaft der USA seit der Reaganregierung immer mehr zu einem Marktfundamentalismus gemausert. Der "sharehoulder value", der Gewinn des Aktionärs , wird immer mehr zum alleinigen gesellschaftlichen Regler und zum Maßstab aller Dinge. Der Eigendynamik des ungebremsten Kapitals wird eine sakrale Erlösungskraft zugeordnet die sie, allerdings mit geänderten Vorzeichen, in eine Reihe mit fundamentalistischen Heilslehren stellt. Diese Strömung, auch als "Neoliberalismus" bezeichnet, schwappte insbesondere seit der Reagan-Ära nach Europa , fegt hier die sozialen Marktwirtschaften von der Bildfläche und demontiert die europäische Kultur.
Marktwirtschaftliche Aspekte dringen immer mehr in Bereiche ein, in denen sie nichts zu suchen haben : Bildung, Medizin, Kunst, Kultur, Sport, Recht, Privatsphäre und Familie. Sie führen zu einer irreparablen Deformation der Gesellschaft.
Die Politiker, deren poIitischer Handlungsspielraum durch den Wirtschafts- und Kapitalpragmatismus immer mehr eingeengt wird, werden immer mehr zu Almosenverteilern und der Unterschied zwischen den einzelnen Parteien schwindet immer mehr.
Damit steigt die Politikverdrossenheit und das Volk wird vom gestaltenden Staatsbürger zum desinteressierten Privatpöbel, zum Verbraucher, dessen dominantes Organ nicht das Gehirn sondern die Verdauung ist. Dazu kommt, dass die Eliten wachsend versuchen die Parlamente zu kaufen. Für die breite Masse ist dieser Prozess nicht ohne weiteres transparent, da insbesondere die bedenklichsten Tendenzen durchweg mit positiven Begriffen besetzt sind, die da lauten: modern, liberal, Verkrustungen beseitigen, auf das Morgen vorbereiten, innovativ, fortschrittlich e.t.c. Die Politiker Ihrerseits werfen entweder das Handtuch weil alles sowieso zu spät ist, rennen der Entwicklung noch voraus oder sind überhaupt nur noch mit sich selbst beschäftigt.
Die Chance eines eigenständigen, europäischen Gesellschaftsmodells ist durch die Einigung über die Währung vertan. Damit ist das klare Primat des Marktes gegenüber jeder eigenständigen Politik besiegelt. Ein Viertel aller Reichtümer der Erde gehört heute ca.300 Menschen, der Konzentrationsprozess des Kapitals wird in 20 bis 30 Jahren dahin geführt haben, dass die ganze Erde vielleicht 100 Menschen gehört und so weiter.
Was war dann diese Demokratie im Endeffekt: eine handfeste Diktatur des Kapitals! Und so sieht's aus, diese Systemschäden haben eben auch bei Gettysburg gesiegt! 
Vielleicht wäre es für alle Europäer besser gewesen, es hätte zwei amerikanische Staaten gegeben. Dann würde Europa heute von der amerikanischen Lebensart nicht erdrosselt werden und hätte bessere Chancen, seinen eigenen Lebenspuls zu finden.
Ein Grund mehr, auch für den gemütvollen und traditionalistischen Süden eine Lanze zu brechen. Vielleicht fühlen viele instinktiv so, die Heute die graue Uniform tragen oder es waren eben doch die prägnanteren und abenteuerlicheren Kerle, die gegen die Übermacht der Union den Stachel zu lüpfen wagten, denn das Zahlenverhältnis der Weißen Nord zu Süd betrug etwa 3,5 zu 1 und die wirtschaftliche Überlegenheit des Nordens war von Anfang an erdrückend. So hatten Armeen des Südens lange Zeit gegen doppelt so starke Unionsarmeen zu kämpfen und waren bis in die Mitte des Krieges trotzdem meist siegreich.
Der Süden hatte lediglich anfänglich den Vorteil des besseren Offizierskorps (die Militärakademien waren vorwiegend im Süden) der zunächst besseren Soldaten und der besseren Moral(!). Diese Vorteile mussten sich im Verlaufe des langen Krieges aufzehren.
Der Stoff des Ganzen ist so gewaltig und differenziert, dass die große Gemeinde der Hobbyisten, die heute diese Geschichte nachstellen, immer etwas zum erzählen hat. Und die Gemeinde dieser Hobbyisten zählt in der Welt Zehntausende.
Die Deutschen haben einen besonderen Grund, sich für den amerikanischen Krieg zu interessieren, da insbesondere viele Deutsche nach der 48-er Novemberrevolution emigrierten. So finden wir auf beiden Seiten viele Landsleute wieder, insbesondere auf Seiten der Union, in deren Armeen in ganzen Einheiten durchgängig deutsch gesprochen wurde. Da man als Geschichtsnachsteller, Reenactor, eine ganze Menge Teilhobbys verbinden kann wie: träumen, Schwarzpulverschießen, historisch campen, am Lagerfeuer sitzen, reiten, fechten, lesen, philosophisch reflektieren, seine Jagdtriebe ausleben, sich verkleiden e.t.c. verwundert es nicht weiter, dass sich auch in Deutschland Tausende mit diesem Hobby beschäftigen, eine Gemeinde, die stetig wächst.

Stefan Müller/Rico Fankhänel (1996!)

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